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Speiseröhrendivertikel



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Speiseröhrendivertikel (Ösophagusdivertikel): Ausbuchtungen der Speiseröhrenwand, bei denen entweder nur die Schleimhaut (Pulsionsdivertikel, Pseudodivertikel, falsches Speiseröhrendivertikel) oder sämtliche Wandschichten (Traktionsdivertikel, Bifurkationsdivertikel, echtes Speiseröhrendivertikel) ausgestülpt sind; Pulsionsdivertikel sind mit 80 % aller Fälle viel häufiger als Traktionsdivertikel. Mehr als drei Viertel der Patienten sind Männer, von denen wiederum zwei Drittel älter als 70 Jahre sind.

Typisch für Pulsionsdivertikel ist der schleichende Beginn mit zunehmenden Schluckbeschwerden, Fremdkörpergefühl beim Schlucken und Mundgeruch. In diesem Fall ist zur Vermeidung von Komplikationen (z. B. Fistelbildung, Blutungen) eine operative Entfernung des Divertikels notwendig. Traktionsdivertikel machen ~ 20 % der Divertikel aus; da sie keine Beschwerden verursachen, erfordern sie auch keine Therapie. Wenn Speiseröhrendivertikel keine Beschwerden machen bzw. rechtzeitig operiert werden, ist die Prognose gut.

Sackförmige Ausstülpungen der Wandschichten des Verdauungstrakts kommen am häufigsten im Dickdarm vor.

Leitbeschwerden

  • Schluckbeschwerden
  • Häufiges Verschlucken
  • Fremdkörperfgefühl im Hals
  • Chronischer Mundgeruch
  • Nächtliches Aufstoßen von unverdauten Speiseresten.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen bei Schluckbeschwerden oder wenn der Betroffene sich schon längere Zeit immer wieder verschluckt.

Die Erkrankung

Entstehung der Pulsionsdivertikel. Beim Schluckvorgang ist die Speiseröhrenwand von innen einem hohen Druck ausgesetzt. Vor allem an den natürlichen Engstellen der Speiseröhre (unterhalb des Kehlkopfs, in Höhe des Aortenbogens und oberhalb des Zwerchfells) ist die Belastung hoch. Stülpt sich unter dem Druck an einzelnen Stellen die Speiseröhrenwand nach außen, entstehen Pulsionsdivertikel, meist im oberen Drittel der Speiseröhre.

Im Laufe der Erkrankung wächst das Divertikel und ruft schließlich die typischen Symptome wie Fremdkörpergefühl im Hals, später dann auch Schluckbeschwerden beim Verzehr von fester Nahrung und Mundgeruch als Folge von angesammelten Nahrungsresten im Divertikel hervor.

Einteilung der Pulsionsdivertikel. Häufigste Form der Speiseröhrendivertikel (70 %) ist das Zenker-Divertikel im Halsbereich, am Übergang der Muskelschicht des Rachens in die Muskelschicht der Speiseröhre. Das seltene (10 %) epiphrenische Divertikel entwickelt sich im unteren Drittel der Speiseröhre, knapp oberhalb des Zwerchfells.

Traktionsdivertikel scheinen nach neueren Erkenntnissen auf eine angeborene Anomalie im mittleren Drittel der Speiseröhre (im Bereich der Aufteilung der Luftröhre in die beiden Hauptbronchien zurückzugehen. Früher vermutete man, dass sie durch Zugkraft (Traktion) von außen, z.B. infolge von Vernarbungen oder Entzündungen der benachbarten Lymphknoten, entstehen.

Das macht der Arzt

Diagnosesicherung. Verursachen Pulsions- oder Traktionsdivertikel keine Symptome, werden sie meist zufällig bei einer Speiseröhrenspiegelung entdeckt. Bei Beschwerden liefert eine Röntgenkontrastmittel-Untersuchung (Ösophagus-Breischluck) den entscheidenden Beweis; mitunter wird zusätzlich eine Speiseröhrendruckmessung zum Ausschluss einer Speiseröhren-Beweglichkeitsstörung durchgeführt.

Therapie. Um Komplikationen vorzubeugen, werden Pulsionsdivertikel, die Beschwerden verursachen, in der Regel operativ entfernt. Das geschieht – wenn möglich – endoskopisch. Andernfalls muss die Speiseröhre für einen direkten Zugang über einen Schnitt im Halsbereich freigelegt werden.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis | zuletzt geändert am 28.04.2016 um 12:05


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