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Refluxkrankheit und refluxbedingte Speiseröhrenentzündung



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Refluxkrankhheit (Gastroösophageale Refluxkrankheit, gastroesophageal reflux disease, GERD): Vermehrter Reflux, d. h. Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre infolge eines gestörten Verschlussmechanismus des unteren Speiseröhrenschließmuskels (Ösophagussphinkter). Beschwerden wie Sodbrennen, Aufstoßen und Schluckbeschwerden sind Folge der Reizung und Schädigung der Speiseröhrenschleimhaut; der Übergang zur refluxbedingten Speiseröhrenentzündung (Refluxösophagitis) ist fließend.

Die Refluxkrankheit ist eine der häufigsten Erkrankungen des Verdauungstrakts: ~ 10 % der Bevölkerung haben die Beschwerden einer Refluxkrankheit, und etwa ein Viertel der Betroffenen hat die Symptome einer refluxbedingten Speiseröhrenentzündung.

Die medikamentöse Behandlung führt zu einem raschen Abklingen der Symptome; bei zu frühem Absetzen der Medikamente sind Rückfälle jedoch häufig. Eine drohende Langzeitkomplikation ist die Umbildung der chronisch entzündeten Speiseröhrenschleimhaut zu Speiseröhrenkrebs.

Leitbeschwerden

  • Sodbrennen, besonders nach den Mahlzeiten
  • Saures Aufstoßen
  • (Schmerzhafte) Schluckbeschwerden
  • Druckgefühl hinter dem Brustbein
  • Eventuell Reizhusten, Heiserkeit
  • Eventuell Übelkeit und Erbrechen.

Die Beschwerden verstärken sich im Liegen sowie durch Bücken, Pressen oder bei Anstrengung.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn mehrmals pro Woche Sodbrennen auftritt, das Schlucken Beschwerden verursacht oder Schmerzen in der Brustregion auftreten.

Die Erkrankung

Normalerweise verhindert der Schließmuskel am Übergang der Speiseröhre zum Magen, dass Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Gelegentlich kommt es jedoch vor, dass diese Refluxbarriere versagt und saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Folgen sind Sodbrennen mit brennenden Schmerzen und Druckgefühl hinter dem Brustbein. Dieser Reflux tritt gelegentlich auf, z. B. nach einer fettreichen Mahlzeit, kann allerdings in eine krankhafte Form übergehen und dann die typischen Refluxbeschwerden auslösen: Das Sodbrennen häuft sich, der Betroffene muss oft aufstoßen, wobei nicht selten Speisebrei in die Speiseröhre zurückströmt. Möglicherweise leidet er auch unter Schluckbeschwerden. Das Druckgefühl hinter dem Brustbein kann so heftig werden, dass zunächst eine Herzerkrankung vermutet wird. Ebenso können Beschwerden wie Reizhusten (Refluxhusten) und Heiserkeit eine Atemwegserkrankung vortäuschen. Verstärkt werden die Beschwerden durch Bücken, Pressen, Rückenlage und Anstrengung, aber auch durch den Verzehr von fettreichen Speisen, Schokolade und Minze, durch Alkohol- und Nikotinkonsum oder durch die Einnahme von bestimmten Medikamenten, besonders von Schmerzmitteln vom NASR-Typ wie z. B. Acetylsalicylsäure (Aspirin®) oder Diclofenac (Voltaren®).

Entstehung. Warum die Refluxbarriere versagt, bleibt letztlich oft ungeklärt. Unbestritten ist jedoch ein Zusammenhang zwischen Lebensweise und Krankheitsentstehung, allen voran der häufige Verzehr von fettreichen Speisen, regelmäßiger Nikotin-, Alkohol- und/oder starker Kaffeekonsum. Die Refluxkrankheit scheint demnach eine typische „Wohlstandskrankheit“ zu sein, deren Auftreten sich in den letzten 30 Jahren verzehnfacht hat. Weitere begünstigende Faktoren sind Übergewicht oder die Druckbelastung durch die stark vergrößerte Gebärmutter im letzten Drittel einer Schwangerschaft.

In 90 % der Fälle besteht gleichzeitig ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie): Die Funktion des Speiseröhrenschließmuskels bleibt zwar intakt, der durch den Zwerchfelleinriss in den Brustkorb verlagerte Anteil des Magens fördert jedoch den Rückfluss sauren Mageninhalts in die Speiseröhre.

Die Refluxkrankheit tritt auch als Folge einer Grunderkrankung wie Sklerodermie oder einer Verengung des Magenausgangs (Magenpförtnerenge) auf. Hierbei gelangt der Speisebrei aus dem Magen nicht mehr vollständig in den Dünndarm. Dadurch füllt sich der Magen zunehmend, bis schließlich so viel Druck auf dem Mageneingang lastet, dass ein Teil des sauren Mageninhalts wieder zurück in die Speiseröhre fließt. Manchmal tritt die Refluxkrankheit auch nach einer Magenoperation auf.

Folgeprobleme. Durch die fortwährende Benetzung der empfindlichen Schleimhaut der Speiseröhre mit aggressivem, säurehaltigem Magensaft kommt es zunächst zu einzelnen oberflächlichen, örtlich begrenzten Schleimhautschädigungen und später dann zu großflächigen Geschwüren (Gewebedefekten) und narbigen Verengungen. Dadurch wird im unteren Speiseröhrendrittel das dort heimische Plattenepithel zurückgedrängt und durch magenschleimhautähnliches Zylinderepithel ersetzt, das an dieser falschen Stelle zur Bildung von Geschwüren (Barrett-Ulkus) neigt und schließlich sogar zu einem Speiseröhrenkrebs entarten kann. Dieser Verlauf wird als Barrett-Syndrom bezeichnet und betrifft ~ 15 % der Betroffenen, von denen ein erheblicher Teil später an Speiseröhrenkrebs erkrankt.

Um dies zu verhindern, müssen Refluxbeschwerden frühzeitig und konsequent behandelt und chronische Verläufe engmaschig endoskopisch kontrolliert werden.

Das macht der Arzt

Die Diagnose wird mithilfe der Speiseröhrenspiegelung mit gleichzeitiger Gewebsentnahme gesichert. Bestehen die Beschwerden trotz Medikamenteneinnahme weiter, sind weiterführende Untersuchungen wie die Speiseröhrendruckmessung und die Langzeit-Säuremessung angezeigt. Sie geben Aufschluss über die Aktivität des Magenschließmuskel bzw. über Menge und Häufigkeit des Säurerückflusses in die Speiseröhre.

Ärzte behandeln eine Refluxkrankheit auf zweierlei Weise: Entweder stoppen sie den Rückfluss von Magensäure operativ oder verabreichen Medikamente, die der Bildung von Magensäure entgegenwirken. Beide Therapien beheben einen Reflux gleich gut und langfristig – Rückfälle bleiben aber nicht aus. So kämpfen manche Patienten trotz der Therapie noch immer mit saurem Aufstoßen, Sodbrennen, Blähungen, Flatulenz oder Schluckstörungen.

Medikamentöse Therapie. Die medikamentöse Behandlung zielt darauf ab, den Reflux zu verringern, seine schädigende Wirkung zu vermindern sowie die Fähigkeit der Speiseröhre zur Selbstreinigung zu verbessern. Dabei richtet sich die Wahl der Medikamente auch nach dem Schweregrad der Erkrankung. 

Protonenpumpenhemmer. Bei Anzeichen einer Speiseröhrenentzündung und regelmäßigen Refluxbeschwerden werden Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol (z. B. Antra®) oder Pantoprazol (z. B. Pantozol®) eingesetzt, die die Säureproduktion im Magen am stärksten und sichersten blockieren. Um richtig wirken zu können, müssen sie auf nüchternen Magen eingenommen werden. Die Therapie soll für 4 Wochen erfolgen. Eine Einnahme nach Bedarf ist nicht sinnvoll, denn die maximale Wirkung tritt erst nach drei Tagen ein. Niedrig dosierte Protonenpumpenhemmer sind seit 2015 rezeptfrei erhältlich.

H2-Rezeptorenblocker. H2-Rezeptorenblocker wie Ranitidin (z. B. Sostril® oder Zantic®) oder Famotidin (PepdulP®) hemmen die Bildung von Magensäure und gelten als Mittel der zweiten Wahl, wenn Protonenpumpenhemmer nicht eingesetzt werden können. Sie wirken erst nach etwa 30 Minuten, dafür hält die Wirkung aber bis zu zehn Stunden an. Daher eignen sie sich besonders gut für nächtliches oder länger anhaltendes Sodbrennen. Ihre Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Ranitidin ist in niedriger Dosierung rezeptfrei erhältlich, es sollte maximal sieben Tage angewendet werden. 

Antazida. Treten nur gelegentlich Refluxbeschwerden ohne Entzündungszeichen der Speiseröhrenschleimhaut auf, helfen Antazida, indem sie die Magensäure durch basische Mineralien neutralisieren. Sie sind gut verträglich und rezeptfrei erhältlich. Ihre Wirkung tritt bereits nach wenigen Minuten ein, ist aber schwächer als die von H2-Rezeptorenblocker oder Protonenpumpenhemmern. 

Chirurgische Therapie. Wenn die medikamentöse Therapie nicht (mehr) vertragen wird, erfolglos bleibt oder schwerwiegende Komplikationen drohen, ist eine operative Verengung zur dauerhaften Unterbindung des Refluxes zu erwägen. Die Standardoperation ist die Fundoplikatio, die meist minimal-invasiv über eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) erfolgt. Um den unteren Ringmuskel der Speiseröhre zu stärken, näht der Arzt Anteile des Magens manschettenartig, ganz oder teilweise rund um den unteren Abschnitt der Speiseröhre. Die Erfolgsquote ist hoch: ~ 80 % der Patienten sind nach der Operation beschwerdefrei und brauchen keine Medikamente mehr, insbesondere keine Protonenpumpenhemmer. Bei den übrigen verschlimmern sich allerdings nicht selten die Beschwerden (Postfundoplikatio-Syndrom) oder es kommt zum Roemheld-Syndrom, das charakterisiert ist von Druckgefühl im Oberbauch und Blähungen aufgrund von Luftansammlungen im Magen. Weil die Luft nach oben drückt, haben die Patienten dadurch manchmal den Eindruck, nun zusätzlich an Herzbeschwerden zu leiden.

Deshalb werden zunehmend endoskopische Anti-Refluxtherapien angewandt, so:

  • Die Hochfrequenztherapie nach Stretta: Der Chirurg sticht endoskopisch mit Nadeln in den unteren Ringmuskel, um dessen Muskelschicht zu erhitzen. Wenn die so provozierte Verletzung heilt, bilden sich Narben, die den Übergang von der Speiseröhre zum Mageneingang verengen und den Reflux somit verhindern.
  • Die Einspritzung von Kunststoffen, ebenfalls mit dem Ziel, den Übergang von der Speiseröhre zum Magen zu veröden und vernarben zu lassen. Eingesetzte Verfahren sind Enteryx® und Gatekeeper® Reflux Repair. Alternativ werden auch Kollagenimplantate vom Rind eingesetzt. Alle drei Verfahren können sehr erfolgreich sein.
  • Der Endocinch®: Der Chirurg rafft die Schleimhaut knapp oberhalb des Mageneingangs und modelliert mit einem Spezialendoskop Schleimhautfalten als Barriere für den Magensaft. Dadurch wird der Mageneingang enger und der Reflux vermindert.

Bei einem Großteil der Betroffenen ist die Erfolgsrate der kleineren Eingriffe mit denen der Fundoplikatio vergleichbar. Jedoch gibt es noch wenige Langzeiterfahrungen für diese neueren Methoden.

Selbsthilfe

Ebenso wichtig wie die medikamentöse Therapie ist eine Änderung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Diese Maßnahmen sind daher Teil der Standardbehandlung:

  • Nehmen Sie häufige, kleine, eiweißreiche, fettarme Mahlzeiten ein.
  • Essen Sie im Sitzen und legen Sie sich zwei Stunden nach den Mahlzeiten nicht hin. Dies gilt besonders für die Abendmahlzeit.
  • Nachts hilft es, mit erhöhtem Oberkörper zu schlafen, empfohlen wird eine Anhebung des Kopfendes um 10–12 cm. Wenn Sie trotzdem flach schlafen möchten, dann drehen Sie sich dabei auf die linke Seite.
  • Zum Bücken gehen Sie besser in die Hocke, statt den Oberkörper herunter zu beugen.
  • Tragen Sie keine einengende Kleidung (z. B. Gürtel, enger Bund von Hose oder Rock).
  • Stellen Sie das Rauchen ein.
  • Streben Sie Normalgewicht an, wenn Sie übergewichtig sind.
  • Vermeiden Sie Alkohol, Kaffee, Pfefferminze, fettreiche Speisen, Fruchtsäfte, Kohlensäure und Tomatensoße, da diese die Magensäureproduktion anregen bzw. den Speiseröhrenschließmuskel entspannen.
  • Meiden Sie, wenn möglich, Schmerzmittel.

Komplementärmedizin

Bei leichten Refluxbeschwerden empfiehlt die Naturheilkunde eine 14-tägige Rollkur mit Kamillenblütenextrakt als Tinktur (z. B. Spitzner-Kamille® N Lösung): Lösen Sie 20 Tropfen in einem Glas warmem Wasser auf und trinken Sie ein Viertel davon auf nüchternen Magen. Legen Sie sich nun für zehn Minuten auf den Rücken. Trinken Sie dann das nächste Viertel und nehmen Sie jetzt die Seitenlage ein. Wiederholen Sie die gleiche Prozedur dann noch je einmal in der Bauch- und der rechten Seitenlage. Es dauert also 40 Minuten, bis Sie sich einmal um Ihre eigene Achse „gerollt“ haben. Frischer Kartoffelsaft soll bei Sodbrennen als basischer Puffer wirken. Beim Zubereiten ist darauf zu achten, dass grüne Stellen an den Kartoffeln vor dem Pressen entfernt werden.

Warnhinweis:

Bitterstoffhaltige Magentees sind wegen ihrer anregenden Wirkung auf die Magensaftsekretion bei Sodbrennen eher ungünstig.

Homöopathie. Bei regelmäßigem Sodbrennen empfiehlt die Homöopathie zur Akutbehandlung u. a. die engmaschige Einnahme von Acidum sulfuricum, Capsicum und Robinia pseudacacia in niederen Potenzen oder als individuelle Konstitutionstherapie.

Akupunktur. Die Akupunktur kann als Begleittherapie dienen; sie ist jedoch keine Alternative zur medikamentösen Behandlung.

Weiterführende Informationen


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Arne Schäffler, Dr. Bernadette Andre-Wallis | zuletzt geändert am 28.04.2016 um 12:13


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