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Interstitielle Zystitis



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

(Chronische) Interstitielle Zystitis (IC, nicht bakterielle Blasenentzündung, Syndrom der schmerzenden Blase): Chronische Entzündung der tieferen Blasenwandschichten ohne bakterielle Beteiligung, geprägt von sehr häufigem, nicht beherrschbarem Harndrang. Zu 90 % sind Frauen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren betroffen. Die Ursache ist unklar, die Therapie schwierig.

Leitbeschwerden

  • Der Zwang, auf die Toilette zu gehen – bis zu 50-mal täglich –, beherrscht den Alltag.
  • Schlafmangel durch nächtliche Toilettengänge.
  • Blasenschmerzen bzw. Schmerzen im Unterbauch bessern sich nach der Blasenentleerung nur für kurze Zeit.
  • Häufig gleichzeitig Schmerzbeschwerden an anderer Stelle wie migräneartige Kopfschmerzen, rheumaartige Gelenkschmerzen, Magen- oder Darmschmerzen.
  • Diese oft als unerträglich erlebten Schmerzen können monatelang andauern, aber in Art und Häufigkeit wechseln (fluktuieren).

Die Erkrankung

Der Begriff „interstitielle Zystitis“ weist darauf hin, dass hier nicht die Blasenschleimhaut, sondern vielmehr die tieferen Zwischenräume in der Blasenwand entzündet sind. Als Ursache dieser Erkrankung werden frühere Blasenentzündungen, eine unzureichende Schutzfunktion der Blasenschleimhaut als Barriere gegen Bakterien, äußere Schadstoffe und neurologische, hormonelle, gefäßbedingte Störungen sowie allergische oder rheumatologische Erkrankungen vermutet. In jedem Fall aber ist die interstitielle Zystitis keine psychosomatische Erkrankung. Die psychischen Veränderungen, die die Betroffenen an sich und die Ärzte an ihnen feststellen, bedeuten eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität und -führung und sind Folge der Erkrankung – nicht umgekehrt.

Das macht der Arzt

In der Regel vermutet der Urologe zunächst anhand der Beschwerden, dass es sich um eine akute oder chronische Blasenentzündung handelt. Wenn aber keine Bakterien oder weißen Blutkörperchen im Urin nachweisbar sind, steht die Verdachtsdiagnose „interstitielle Zystitis“ im Raum; beweisend ist eine Harnblasenspiegelung, die unter Vollnarkose durchgeführt wird. Liegt tatsächlich eine interstitielle Zystitis vor, zeigen sich bei Blasenfüllung punktförmige Einblutungen in der Blasenwand, manchmal auch kleine Geschwüre. Mit einer Blasenbiopsie (Entnahme von Blasengewebe) kann eine Vermehrung von weißen Blutkörperchen und Bindegewebsfasern in den tieferen Blasenwandschichten nachgewiesen werden.

Es gibt verschiedene therapeutische Ansätze, die aber allesamt nur einem Teil der Betroffenen helfen:

  • Das Dehnen der Blase mit Wasser unter Vollnarkose
  • Das Einspritzen von Medikamenten über einen Katheter in die Blase, so z. B. DMSO (Dimethylsulfoxid), um die Entzündung zu hemmen.
  • Die Verabreichung von Pentosanpolysulfat oder von Heparin als Spritzen subkutan, um die Schutzschicht der Blase wiederherzusellen.
  • Die Einnahme verschiedener Medikamente, z. B. speziell auf die Blase einwirkende Psychopharmaka oder Schmerzmittel (NSAR), die aber nicht immer die erhoffte Wirkung erzielen
  • Die operative Entfernung von Teilen der Blase und Vergrößerung des Fassungsvermögens durch Darmteile, wenn alle anderen Therapien erfolglos bleiben.

Auch die psychische Begleitung, etwa durch einen verständnisvollen Hausarzt, ist wichtig, obwohl eine Notwendigkeit zur Psychotherapie nicht generell besteht.

Weiterführende Informationen

  • www.ica-ev.de – Deutsche Internetseite der Internationalen Interstitiel Cystitis Association, Euskirchen: Bietet zahlreiche aktuelle Informationen, Wegweiser zur Therapie sowie Broschüren zum Herunterladen.

Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Martina Sticker, Dr. med. Arne Schäffler | zuletzt geändert am 07.04.2016 um 17:40


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