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Gedeihstörungen



Häufigkeit


Legende

chronische Erkrankungen:akute Erkrankungen:
sehr verbreitet> 10 %> 25 %
häufig> 2 %> 5 %
mäßig häufig> 0,4 %> 1 %
ziemlich selten> 0,1 %> 0,2 %
selten> 0,02 %> 0,04 %

Unter einer Gedeihstörung versteht man eine gestörte gesamtkörperliche Entwicklung des Kindes. Die betroffenen Kinder sind für ihr Alter und für ihre Größe zu leicht. Ihr Gewicht liegt entweder unter der dritten Perzentile der Gewichtskurve (d. h. sie sind leichter als 97 % ihrer Altersgruppe) oder sie rutschen auf der Gewichtskurve immer weiter von ihrem bisherigen Verlauf ab (etwa von der 75. Perzentile unter die 25. Perzentile). Besteht die Gedeihstörung länger, so ist auch das Längenwachstum betroffen (ein solcher Kleinwuchs kann auch zahlreiche andere Ursachen haben).

Vor allem die Großeltern vermuten bei dünnen Enkelkindern oft Gedeihstörungen. Solange diese Kinder jedoch leistungsfähig sind, sind sie ganz normale Kinder, bei denen man eben „die Rippen zählen kann“. Die Tatsache, dass das Längenwachstum normal verläuft, weist darauf hin, dass es dem Körper nicht an Energie mangelt. Oft wird in diesem Zusammenhang auch vergessen, dass Kinder nach Abbau des Babyspecks natürlicherweise sehr wenig Fett am Körper haben. Der Body Mass Index (BMI) erreicht zwischen 5 und 6 Jahren ein natürliches Tief – Kinder, bei denen man in diesem Alter die Rippen nicht zählen kann, haben ein erhöhtes Risiko, später Übergewicht mit sich herumzuschleppen.

Die Erkrankung

Kinder gedeihen schlecht, wenn sie entweder nicht genug essen, das Essen unzureichend verwerten oder wenn sie mehr Kalorien verbrauchen als sie aus der Nahrung erhalten. Entsprechend viele Krankheiten können letzten Endes eine Gedeihstörung verursachen:

  • Krankheiten, bei denen die Nahrungsaufnahme oder Verdauung gestört ist, z. B. die Magenpförtnerenge, die Refluxkrankheit, die Kuhmilchallergie, die Zöliakie oder chronische Darmentzündungen.
  • Stoffwechselkrankheiten, z. B. Diabetes oder seltene angeborene Stoffwechselstörungen
  • Chronische Entzündungen wie z. B. rheumatische oder Autoimmunerkrankungen
  • Schwere Organstörungen, z. B. ein Herzfehler, Nieren- und Lebererkrankungen
  • Zuviel Stress zu Hause, zu wenig Unterstützung durch die Eltern oder auch Krisen in der Elternbeziehung.

Das macht der Arzt

Jede echte Gedeihstörung ist ein Notfall. Denn wenn Kinder nicht gedeihen, so fehlt ihnen auch die Energie für eine gesunde Entwicklung.

Da sehr viele Krankheiten eine Gedeihstörung verursachen können, ist die Diagnostik nicht selten langwierig. Der erste Schritt bei der Diagnose besteht aber zunächst darin, festzustellen, ob das Kind wirklich hinter seinem Wachstumspotential zurückbleibt. Dazu wird der Arzt zunächst den Wachstumsverlauf der letzten Monate und Jahre genau begutachten und auch errechnen, auf welcher Perzentile das Gewicht des Kindes in Bezug auf die Körpergröße liegt. Eine gründliche Untersuchung schließt sich an, eventuell auch Blut-, Stuhl- und Urinuntersuchungen. Womöglich lässt der Arzt auch eine Woche lang ein Ernährungsprotokoll führen. Ergibt sich durch die Untersuchungen ein gezielter Verdacht, wird entsprechend weiter ermittelt und behandelt. Dazu gehört eventuell auch eine stationäre Aufnahme. Klappt dort das Gedeihen und kann eine zugrunde liegende Erkrankung nicht gefunden werden, so deutet dies auf eine psychosoziale Ursache hin. In einem solchen Fall benötigt also die ganze Familie Hilfe.

Ergibt sich jedoch kein Hinweis auf eine Gedeihstörung, d. h. bescheinigt der Kinderarzt Ihrem Kind, dass es in vertretbarem Tempo „zulegt“, so sollte dieses Thema auch zur Ruhe kommen.


Von: gesundheit-heute.de; Dr. med. Herbert Renz-Polster | zuletzt geändert am 14.03.2016 um 18:22


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